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Leben wir in der Endzeit?

 

Einleitung und Zusammenfassung

 

Nicht nur Anhänger der Endzeit-Botschaft von William Branham glauben, dass wir kurz vor der Wiederkunft Jesu Christi leben. Oft wird die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 mit Mark. 13,28 in Zusammenhang gebracht: "An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter gewinnen, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist." Bei dieser Interpretation gibt es gleich zwei grosse Probleme: Erstens kann überhaupt nicht bewiesen werden, dass "der Feigenbaum" ein Hinweis auf Israel sein soll. Eine solche Interpretation benötigt übernatürliche "Offenbarung" (mehr dazu im Abschnitt Bibelverständnis). Zweitens sagt Jesus nur zwei Verse später: "Wahrlich ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis dass dies alles geschehe." Bruce Gore hat überzeugend dargelegt, dass der griechische Begriff "genea", welcher mit "Generation" übersetzt wird, im biblischen Sinn eine Zeitspanne von nicht mehr als 40 Jahren bedeuten muss. Jesus wurde ca. 30 n.Chr. gekreuzigt, und der Tempel wurde 70 n.Chr. durch Titus zerstört. Nun ist offensichtlich, dass Jesus in seiner "Endzeitrede" (z.B. Mark. 13,5-37) auch von der Belagerung Jerusalems gesprochen hat. Wenn Jesus in der gleichen Rede auch von der heutigen Zeit, ca. 2000 Jahre später, gesprochen hat, wie soll man dann erklären, dass er in Mark. 13,30 explizit sagt: "bis dass dies alles geschehe"? 

 

Meine Überzeugung ist, zusammengefasst, die folgende: Jesus hat seine Jünger vor der Belagerung Jerusalems gewarnt. Die Zerstörung des Tempels sollte innerhalb einer Generation geschehen, und Jesus hat Zeichen angekündigt, an denen man das Nahen dieses Ereignisses erkennen konnte. Die Jünger waren zum damaligen Zeitpunkt der Meinung, dieses Ereignis würde mit Jesu Wiederkunft zusammenfallen. Nun hat Jesus auch von seiner Wiederkunft gesprochen, aber die entsprechenden Texte kann man einfach von der Ankündigung der Zerstörung des Tempels unterscheiden. Insbesondere wird die Wiederkunft Jesu gänzlich unerwartet geschehen. Das bedeutet, dass sie morgen stattfinden könnte, oder auch erst in 1000 Jahren. 

 

Im Folgenden möchte ich meine Überzeugung am Beispiel des ausführlichsten Textes zur Endzeitrede Jesu erklären: Matthäus, Kapitel 24 und 25. Mir ist bewusst, dass es sich hier um ein kontroverses Thema handelt, und meine Ausführungen erheben nicht den Anspruch der absoluten Wahrheit. In meinen Augen ist das folgende aber die plausibelste Interpretation. 

 

Vorschlag zur Interpretation von Matthäus, Kapitel 24 und 25

 

Zuerst einmal muss ich festhalten, dass die Wiederkunft Jesu, im Gegensatz zu Ereignissen im ersten Jahrhundert, eindeutig und konsistent am griechischen Wort "parousia" erkannt werden kann. Dieses griechische Wort impliziert nämlich Jesu leibliche "Gegenwart", seine "Erscheinung". 

 

Der Schlüssel zum Verständnis dieser langen Passage findet man in den Fragen der Jünger: 

 

"Sage uns, wann wird das geschehen? Und welches wird das Zeichen sein deiner Wiederkunft und des Endes der Welt?" (24,3)

 

Die Jünger stellen hier zwei Fragen: Erstens möchten sie wissen, wann die Zerstörung des Tempels stattfinden wird. Zweitens fragen sie nach Zeichen, an denen Jesu Wiederkunft erkannt werden kann. Wenn man nun, anstatt sich auf übernatürliche "Offenbarung" zu beziehen, davon ausgeht, dass Jesus die beiden Fragen der Jünger ehrlich und aufrichtig nacheinander (nicht in einem chaotischen Gemisch von fragmentarischen Aussagen) beantwortet hat, dann muss man nur nach dem genauen Ort im Text suchen, an welchem die Antwort auf die erste Frage aufhört und die Antwort auf die zweite Frage beginnt. 

 

Hier muss ich eine Zwischenbemerkung machen: Ich habe diesen Ort im Text deshalb relativ einfach finden können, weil ich die alte Lutherübersetzung (Revision von 1912) gelesen habe. Diese verwendet (wie übrigens auch die englische King James Bible) als griechischen Urtext den "Textus receptus" und nicht, wie die meisten modernen Bibelübersetzungen, die Ausgabe von Nestle-Aland. Meine Interpretation kann deshalb nicht zu 100% bewiesen werden, weil ich nicht eindeutig belegen kann, dass der "Textus receptus" in diesem speziellen Fall die ursprünglichere Textvariante wiedergibt (mehr dazu weiter unten). 

 

Wo endet also die Antwort auf die erste Frage? In 24,34 sagt Jesus: "Diese Generation wird nicht vergehen, bis dass dieses alles geschehe." Und in 24,36 sagt er: "Von dem Tage aber und von der Stunde weiss niemand..." Dieser Satz bezieht sich auf einen Zeitpunkt und steht deshalb mit der ersten Frage im Zusammenhang. Im nächsten Vers, also in 24,37, sagt Jesus: "Aber gleichwie es zu der Zeit Noahs war, also wird auch sein die Wiederkunft (parousia) des Menschensohnes." Hier gilt es zweierlei zu beachten: Erstens beginnt dieser Satz mit einem "Aber", dies markiert eine Wendung im Text. Zweitens verwendet Jesus hier zum ersten Mal (abgesehen von einer verneinenden Warnung in 24,27) das Wort "parousia". Das bedeutet: Die Antwort auf die erste Frage endet mit 24,36, und die Antwort auf die zweite Frage beginnt in 24,37. Obwohl die Jünger in der ersten Frage nach einem Zeitpunkt und in der zweiten Frage nach Zeichen fragen, kehrt Jesus dies in seinen Antworten um: Auf die erste Frage antwortet er mit der Ankündigung von entsprechenden Zeichen und gibt auf den Zeitpunkt keine Antwort, und auf die zweite Frage antwortet er verneinend bezüglich Zeichen und macht deutlich, dass der Zeitpunkt seiner Wiederkunft noch weniger vorausgesehen werden könne als die Zerstörung des Tempels. 

 

Nun werde ich den ganzen Text von Matthäus, Kapitel 24 und 25, durchgehen und ausgewählte Schlüsselstellen erklären. Ich verweise hierbei insbesondere auf Vorträge von Bruce Gore (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

 

"es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin Christus" (24,5)

 

Gemäss dem jüdischen Historiker Josephus gab es in den 40 Jahren zwischen 30 n.Chr. und 70 n.Chr. tatsächlich viele Verführer, welche sich als Messias ausgaben. 

 

"Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen, ... aber es ist noch nicht das Ende da." (24,6)

 

Die Stabilität im römischen Reich nahm von 30 n.Chr. bis 70 n.Chr. stetig ab, und 40 n.Chr. befürchteten viele, es würde Krieg geben, als Caligula versuchte, eine Statue von sich selber im Tempel aufzustellen. 

 

"und werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein." (24,7)

 

Während der Regierungszeit des Claudius (41 bis 54 n.Chr.) gab es ausgedehnte Hungersnöte. In der Region Phrygia gab es 61 n.Chr. eine Reihe von grossen Erdbeben, und in Italien gab es am 5. Februar 62 n.Chr. ein Erdbeben, welches die Städte Pompeii und Herculaneum stark beschädigte. 

 

"Und dann werden viele zu Fall kommen und werden einander überliefern und einander hassen" (24,10)

 

Der römische Historiker Tacitus beschreibt, wie Christen von Christen verraten wurden. 

 

"Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig." (24,13)

 

Das Wort "Ende" verstehe ich nicht als die Wiederkunft Jesu, sondern Jesus ermahnt hier seine Jünger, in aller Trübsal auszuharren, sei es bis zum Tod oder bis zum Ende der Trübsal. Diese Interpretation passt perfekt zu den vorangehenden Versen 10 und 12.

 

"Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen." (24,14)

 

Gemäss vernünftiger Bibelexegese muss man sich fragen, wie die damaligen Hörer oder Leser diese Aussage verstanden hätten. In ihren Augen hat sich diese Prophezeiung durch die Predigt des Paulus und anderer Jünger erfüllt, indem sie die ganze damalig bekannte Welt evangelisierten. Das Ende, von welchem Jesus hier spricht, ist das Ende des Tempels. Aus jüdischer Sicht ging damit wahrhaftig eine Ära zu Ende. 

 

"Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung (davon gesagt ist durch den Propheten Daniel), dass er steht an der heiligen Stätte" (24,15)

 

Es ist aus heutiger Sicht nicht eindeutig klar, was der Begriff "Greuel der Verwüstung" bedeutet. Für mehr Details verweise ich auf den Vortrag von Bruce Gore. Aber der nächste Vers ordnet das Ereignis eindeutig in der Zeit vor 70 n.Chr. ein. 

 

"alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist" (24,16)

 

Der Kirchenhistoriker Eusebius berichtet, dass die Christen der Warnung Jesu gefolgt sind und von der Katastrophe bei der Belagerung Jerusalems verschont blieben. 

 

"Denn es wird alsdann eine grosse Trübsal sein, wie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher und wie auch nicht werden wird." (24,21)

 

Die "grosse Trübsal", mit welcher man Menschen in der Endzeit-Botschaft Angst macht, ist gemäss diesem Vers schon seit ca. 2000 Jahren vorbei! 

 

"Und wo diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig" (24,22)

 

Tatsächlich war die Belagerung Jerusalems vergleichsweise kurz, nämlich von März bis August des Jahres 70 n.Chr. Dies hing damit zusammen, dass jüdische Extremisten die eigenen Nahrungsvorräte verbrannten, um eine Entscheidung zu erzwingen. 

 

"So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus! oder: da! so sollt ihr's nicht glauben... Denn gleichwie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Wiederkunft des Menschensohnes." (24,23+27)

 

Hier warnt Jesus davor, dass man fälschlicherweise sagen würde, die Wiederkunft Jesu sei schon geschehen: "Siehe, hier ist Christus!" Damit ist die leibliche Anwesenheit, also "parousia", gemeint. Aber Jesus sagt, seine Wiederkunft sei vergleichbar mit einem Blitz, welchen man überhaupt nicht vorhersehen kann. Also sind die Verse 23 bis 28 ein Einschub, wo Jesus seine Wiederkunft im Kontext der Zerstörung des Tempels verneint

 

"Wo aber das Aas ist, da sammeln sich die Adler." (24,28)

 

Die Bedeutung dieser Aussage wird klar, wenn man die Parallelstelle in Luk. 17,37 liest, wo Jesus auch von seiner Wiederkunft spricht: "Und sie antworteten und sprachen zu ihm: Herr, wo? Er aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist..." Die Aussage ist also, dass sich Christen keine Sorge darüber machen sollen, wie sie den Herrn Jesus bei seiner Wiederkunft finden könnten - er würde sie finden. 

 

"Bald aber nach der Trübsal derselben Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen." (24,29)

 

Die damaligen Hörer haben, im Vergleich mit der prophetisch-politischen Redeweise der alttestamentlichen Propheten, diese Aussage mit der Aufrichtung des messianischen Königreichs in Verbindung gebracht (für mehr Details, siehe den Vortrag von Bruce Gore). 

 

Auch in der Endzeit-Botschaft wird der Traum Nebukadnezars in Daniel 2 als die Prophezeiung von vier Weltreichen verstanden: Babylon, Persien, Griechenland, Rom. Nun war Daniels Fokus als alttestamentlicher Prophet vor allem die Ankunft des Messias. Während der Zeit des vierten Weltreichs sollte der Messias kommen: "Aber zur Zeit solcher Königreiche wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird..." (Dan. 2,44). Die Tatsache ist: Das römische Reich ist seit vielen Jahrhunderten untergegangen, folglich spricht Jesus in Matth. 24,29 nicht von der heutigen Zeit, sondern vom Beginn des Reiches Gottes, von welchem Jesus wiederholt sagte, dass es nahe herbeigekommen sei (z.B. Matth. 4,17). 

 

"Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit grosser Kraft und Herrlichkeit." (24,30)

 

Dieser Vers ist wahrscheinlich der Grund für das weit verbreitete Missverständnis, Jesus spreche hier von seiner Wiederkunft. Aber die Formulierung "kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels" ist ein unmissverständlicher Verweis auf Dan. 7,13: "es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht." Offensichtlich aber geht es in Dan. 7,13 nicht um Jesu Wiederkunft, sondern die Stelle muss im Zusammenhang mit Jesu Himmelfahrt verstanden werden, als er sich zur Rechten Gottes setzte. Ich verstehe Matth. 24,30 so, dass bei der Zerstörung des Tempels jeder sehen und erkennen konnte, dass sich Dan. 7,13 erfüllt hat. Bezüglich sichtbarer Zeichen, welche damals zu sehen gewesen waren, verweise ich wieder auf den Vortrag von Bruce Gore. 

 

Die Formulierung "alle Geschlechter auf Erden" kann auch so übersetzt werden: "alle Stämme des Landes" (Elberfelder), so dass hier nicht die ganze Welt gemeint sein muss. 

 

"Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten..." (24,31)

 

Auch diese Stelle sieht auf den ersten Blick aus, als würde es sich um Jesu Wiederkunft handeln. Aber das ist nicht zwingend. Anders als in Matth. 25,32, wo "alle Völker versammelt" werden, geht es in Matth. 24,31 um das "sammeln" der Auserwählten. Ich verstehe diese Aussage so, dass Jesus, nachdem er sich zur Rechten Gottes gesetzt und alle Gewalt bekommen hat, nun durch seine Evangelisten (= Botschafter = Engel) die Auserwählten sammelt. Das ist ein wichtiger Teil seiner Regentschaft. 

 

"An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: wenn sein Zweig jetzt saftig wird und Blätter gewinnt, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist." (24,32)

 

Eine Verbindung zum modernen Staat Israel ist sehr weit hergeholt. Vielmehr illustriert Jesus seine Warnung mit einem Gleichnis aus der Natur: Wenn die Jünger die angekündigten Zeichen sehen, sollen sie nicht zögern, sondern unverzüglich aus Jerusalem fliehen. 

 

"Wahrlich ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis dass dieses alles geschehe." (24,34)

 

Eine Generation ist im biblischen Wortschatz eine Zeitspanne von 25 bis 40 Jahren. Es ist sicher kein Zufall, dass die Zerstörung des Tempels ziemlich genau 40 Jahre nach Jesu Kreuzigung geschah. Jesus hat diese Aussage mit einem "Wahrlich ich sage euch" bekräftigt, und gesagt, dass "dieses alles" innerhalb 40 Jahren geschehen würde. Lieber Anhänger der Endzeit-Botschaft: Warum glaubst du Jesu Worten nicht?

 

"Von dem Tage aber und von der Stunde weiss niemand, auch die Engel nicht im Himmel, sondern allein mein Vater." (24,36)

 

In Mark. 13,32 sagt fügt Jesus sogar "auch der Sohn nicht" hinzu. Jesus war also nicht allwissend und kann folglich nicht Gott selber sein. Eine Unterscheidung zwischen "Jesus als Mensch" und "Jesus als Gott" ist eine menschliche Erfindung und existiert in der Bibel nicht. 

 

Jesus schliesst seine Antwort auf die erste Frage der Jünger also ab, indem er selber zugibt, dass er den genauen Zeitpunkt der Zerstörung des Tempels nicht kennt. Sehr wohl würde es nicht länger als "eine Generation" dauern, aber genauer ist die Prophezeiung bezüglich dem Zeitpunkt nicht. 

 

"Aber gleichwie es zu der Zeit Noahs war, also wird auch sein die Wiederkunft des Menschensohnes. Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut..." (24,37-38)

 

Wie schon oben erwähnt signalisiert das Wort "Aber" zu Beginn dieses Satzes eine Wendung. Dies passt auch zum nachfolgenden Inhalt, weil die beschriebenen Situationen (Noah, Dieb in der Nacht, der kluge Knecht, die zehn Jungfrauen, die anvertrauten Zentner, das jüngste Gericht) im Kontrast zur Belagerung Jerusalems stehen. 

 

Das Wort "Aber" ergibt sich aus der Übersetzung des "Textus receptus". Im griechischen neuen Testament von Nestle-Aland hingegen steht hier nicht "Aber" sondern "Denn", was eine logische Verknüpfung zwischen Vers 36 und 37 impliziert. Wie ist das zu erklären? Schaut man die Anfänge der Verse 37 und 38 an, dann finde ich es plausibel, dass der Nestle-Aland Text nicht das Original wiedergibt, sondern einen Abschreibfehler enthält:

 

Gemäss dem Textus receptus sind die Versanfänge wie folgt: 

 

V.37: "ωσπερ δε..." V.38: "ωσπερ γαρ..." 

 

Gemäss dem Nestle-Aland Text sind die Versanfänge hingegen wie folgt: 

 

V.37: "ωσπερ γαρ..." V.38: "ως γαρ..."

 

Dass der Vers 38, gemäss dem Textus receptus, mit "Denn" anfängt, macht im Kontext absolut Sinn. Ich vermute, dass im Nestle-Aland Text der Anfang von Vers 38 aus Versehen an den Anfang von Vers 37 verschoben wurde. Mir ist zwar bewusst, dass der Nestle-Aland Text auf früheren Manuskripten basiert als der Textus receptus. Aber beide basieren auf einem noch älteren Original, und hier scheint der Textus receptus das Original wiederzugeben. 

 

"gleichwie es zu der Zeit Noahs war, ... sie assen, sie tranken, sie heirateten" (24,37+38)

 

Hier wird die Wiederkunft Jesu mit der Zeit Noahs verglichen, als niemand mit der Sintflut rechnete und man absolut ahnungslos war. 

 

"Dann werden zwei auf dem Felde sein... Zwei werden mahlen auf der Mühle..." (24,40+41)

 

Auch diese Situationen passen eher in eine friedliche Zeit und nicht in den Kontext der Belagerung Jerusalems. 

 

"Darum wachet, denn ihr wisst nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird." (24,42)

 

Alle folgenden Reden Jesu bis zum Ende des Kapitels 25 haben diesen Grundtenor: Wachet, weil niemand den Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu kennt. Ganz anders bei der Zerstörung des Tempels: Flieht aus Jerusalem, sobald ihr die Zeichen sehet!

 

"Wenn ein Hausvater wüsste, welche Stunde der Dieb kommen wollte" (24,43)

 

Auch hier wird eine ahnungslose Situation beschrieben. 

 

"denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr's nicht meint." (24,44)

 

Dieser Satz allein sollte eigentlich allen Endzeit-Spekulationen ein Ende setzen. 

 

"Welcher ist aber nun ein treuer und kluger Knecht, den der Herr gesetzt hat über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe?" (24,45)

 

In der Freien Volksmission von Ewald Frank ist dieser Satz jedem bekannt - denn Ewald Frank wendet ihn auf sich selber an. Er nennt sich selber den "treuen und klugen Knecht". In meinen Augen ist das geistlicher Missbrauch, weil sich Ewald Frank auf diese Weise als geistliche Autorität darstellt und so die Gewissensfreiheit seiner Zuhörer vergewaltigt. 

 

"Dann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen..." (25,1-13)

 

Hier möchte ich betonen, dass die Erzählung der zehn Jungfrauen ein Gleichnis ist. Deshalb muss man es nicht eins-zu-eins als geschichtlichen Ablauf interpretieren können. Der wichtigste Unterschied zwischen den klugen und den törichten Jungfrauen besteht darin, dass sich die klugen auf eine längere Wartezeit einstellen (sie nehmen Ersatzöl mit), und die törichten nicht. Jede Endzeit-Bewegung funktioniert aber genau umgekehrt: Man meint, die Wiederkunft Jesu könne in einem Zeitraum von wenigen Jahren erwartet werden. 

 

"Gleichwie ein Mensch, der über Land zog, rief seine Knechte und tat ihnen seine Güter aus, und einem gab er fünf Zentner, den anderen zwei, dem dritten einen... Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen." (25,14+15+19)

 

Im Gleichnis von den anvertrauten Zentnern geht es auch darum, dass die Wiederkunft des Herrn erst nach langer Zeit zu erwarten ist. Deshalb sind die Knechte angehalten, fleissig mit den Zentnern zu handeln. Schliesslich weiss niemand, wann der Herr wiederkommen wird. 

 

Schliesslich, von Vers 31 bis 46 von Kapitel 25 spricht Jesus vom Endgericht nach seiner Wiederkunft. Im Rahmen dieses Abschnitts möchte ich nicht näher auf diesen Text eingehen, mehr zum Thema Endgericht findet man im Abschnitt Evangelium

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