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Der Ursprung des Bösen und das Wesen der Sünde

 

Woher kommt das Böse?

 

Die Geschichte vom Lichtengel Luzifer, welcher im Himmel einen Aufstand machte, als Folge zur Erde geworfen wurde und dann durch die Schlange im Garten Eden sprach, um den Sündenfall herbeizuführen, hat in der Christenheit eine lange Tradition. Ich vermute, der Grund für diese Geschichte ist ganz einfach die menschliche Neugierde, welche über den Ursprung des Bösen Bescheid wissen will. Natürlich gibt es in der Bibel Texte, welche eine solche Geschichte zu implizieren scheinen, z.B. Jes. 14,12-14 oder Hes. 28,12-19. In meiner Beurteilung kann man aber überhaupt nicht aus dem Text beweisen, dass dort der Satan gemeint ist. Betrachtet man zum Beispiel Jes. 14,12-14, dann liest man gleich im Anschluss, im Vers 16, den Satz: "Wer dich sieht, wird dich schauen und betrachten und sagen: Ist das der Mann, der die Welt zittern und die Königreiche beben machte?" Und auch in Hes. 28,12 steht ausdrücklich: "Du Menschenkind, mache eine Wehklage über den König zu Tyrus..." Auch dass in Vers 13 "Eden" erwähnt wird, impliziert nicht zwingend den Garten Eden aus 1. Mose 2. Luther übersetzt in Vers 13 sogar "Lustgarten" statt "Eden". Und in Vers 14 übersetzt Luther "Du bist wie ein Cherub", das lässt eher auf einen Vergleich mit einem Engel schliessen, und nicht auf einen Engel selber. 

 

Dass in Jes. 14,12-14 und Hes. 28,12-19 der Fall Luzifers beschrieben wird, kann man nur durch übernatürliche "Offenbarung" begründen (siehe auch mein Bibelverständnis). Aus dem Text selber lässt es sich, in meinen Augen, nicht eindeutig beweisen. Aber selbst wenn es stimmen sollte, und der Fall Luzifers beschrieben wird, beantwortet dies immer noch nicht die Frage, woher das Böse kommt! Man hat nur einen Regress gemacht: Statt zu fragen, warum die Menschen gesündigt haben, muss man nun fragen, warum Luzifer einen Aufstand im Himmel gemacht hat. Und auch auf diese Frage gäbe es keine Antwort. 

 

Wenn man die Geschichte vom Sündenfall im Garten Eden betrachtet, dann fällt auf, dass nur von der "Schlange" die Rede ist, und nicht explizit vom "Teufel" oder "Satan". Natürlich hat "das Böse" durch die Schlange geredet, aber eine Verbindung mit dem Teufel kann man nur mithilfe von Offb. 12,9 herstellen: "Und es ward ausgeworfen der grosse Drache, die alte Schlange, die da heisst der Teufel und Satan..." (Und etwas provokativ könnte man dann mithilfe von Matth. 16,23 schlussfolgern, dass Eva im Garten Eden von Petrus verführt wurde...). 

 

Das Auffallende am Bericht vom Sündenfall ist, dass nur von der "Schlange" die Rede ist, und nicht von einem bösen Geist oder Teufel. Die Schlange war schliesslich Teil von Gottes guter Schöpfung. Der springende Punkt scheint tatsächlich zu sein, dass der Ursprung des Bösen gerade nicht erklärt wird! Die Bibel ist kein Buch, das unsere ganze Neugierde befriedigen soll, sondern enthält die uns nützlichen Informationen. 

 

Ich zitiere noch von Dietrich Bonhoeffer's Werk "Schöpfung und Fall": "Wäre vorher, wie es die katholische Dogmatik und wie es auch Luther will, vom Fall des Luzifer berichtet, so wäre Adam als das erste Opfer dieses Luzifer grundsätzlich schon entlastet. Aber das gerade ist das ganz Sachliche des biblischen Berichtes, dass sich der Sündenfall mitten in der Schöpfung vorbereitet und vollzieht und eben hierdurch seine völlige Unentschuldbarkeit auf Deutlichste ausgesprochen wird." (Hervorhebung durch mich)

 

Was ist Sünde?

 

Sie ist bekannt, Jesu Aussage: "um die Sünde, dass sie nicht glauben an mich" (Joh. 16,9). Aber der Satz "Sünde ist Unglauben" kann auf ganz verschiedene Weise verstanden werden. In jedem Fall sollte dieser Satz nie als Verharmlosung verstanden werden, denn in 1. Joh. 5,17 steht: "Alle Untugend ist Sünde". 

 

In seiner Schrift "Von den guten Werken" von 1520 schreibt Martin Luther in Bezug auf das erste der zehn Gebote: "Siehe, das ist nun das Werk des ersten Gebotes, in dem es heisst: 'Du sollst keine anderen Götter haben.' Das heisst so viel wie: Weil ich allein Gott bin, sollst du auf mich allein deine ganze Zuversicht, Vertrauen und Glauben setzen und auf niemand anders.(Hervorhebung durch mich) Anders ausgedrückt: "Glaube" bedeutet als Gegensatz zur Sünde Zuversicht und Vertrauen auf Gottes Güte. 

 

Wenn man den Bericht vom Sündenfall aus 1. Mose 3,1-7 genau betrachtet, dann sieht man, dass dort genau das Gegenteil passiert ist: Adam und Eva haben gerade nicht auf Gottes Güte vertraut. Die Schlange hat mit ihrer Aussage "Gott weiss, dass, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott..." Misstrauen gegenüber Gottes Freundlichkeit in die Herzen der Menschen gesät. 

 

An dieser Stelle gehe ich kurz auf "den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen" ein. (Für mehr Ausführungen verweise ich auf einen Vortrag von Siegfried Zimmer.) Die hebräischen Begriffe "tob" und "ra" ("gut" und "böse") aus 1. Mose 2,17 sollte man zuerst einmal nicht moralisch interpretieren. Vielmehr geht es darum, was dem Menschen langfristig "gut" tut, und was nicht. Gleich im nächsten Vers 18 steht nämlich: "Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei..." Und beim Sündenfall selber steht: "... dass von dem Baum gut zu essen wäre..." Die Aussage ist also, dass der Mensch die Erkenntnis darüber, was ihm langfristig gut tut, an sich selber reissen wollte. Das ist aber nur notwendig, wenn man der freundlichen Fürsorge Gottes misstraut. 

 

Das ist nun der Grund, warum in der Bibel die Sünde so fest mit dem Begriff der "Abgötterei" verbunden ist. Denn umgekehrt ist das Vertrauen auf Gottes Fürsorge direkt mit der Anbetung Gottes verbunden. Wenn man sein Vertrauen auf einen Abgott setzt, also z.B. auf genügend Einkommen, Reichtum, Intelligenz, Macht, etc., dann beginnt man auch, diesen Abgott anzubeten und über alles andere zu lieben. Aber unsere Anbetung und Liebe sollte nur dem einen Gott, dem Schöpfer der Welt, gehören. Jesus selbst beantwortete die Frage nach dem höchsten Gebot wie folgt: "Das vornehmste Gebot vor allen Geboten ist das: 'Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott, und du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen deinen Kräften."

 

Nun noch eine Bemerkung für Anhänger der Endzeit-Botschaft. Ich bin überzeugt, dass der Satz "Sünde ist Unglaube" missbraucht wird, um jegliches Hinterfragen von dem, was Branham oder Frank lehren und erzählen, im Keim zu ersticken. Denn der "Glaube" wird (zumindest ist das meine Erfahrung gewesen) als blindes Nicht-Zweifeln an der Endzeit-Botschaft interpretiert. Tatsächlich aber ist dies eine Technik, die zur Gedankenkontrolle angewendet wird: Man bringt die Zuhörer dazu, dass sie ihre eigenen Gedanken und Zweifel zensieren. Darum sagt auch Ewald Frank, dass es dort, wo noch diskutiert wird, keine Offenbarung gebe. Damit sollen zusätzlich alle konstruktiven Diskussionen unterbunden werden.  

 

Warum ist die Konsequenz der Sünde der Tod?

 

In 1. Mose 2,17 steht: "aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen, denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben." Leider verstehen viele Christen dieses Verbot als eine Art "Gehorsamstest" und den angekündigten Tod als "Strafe". Ich glaube aber nicht, dass dies die Bedeutung der Geschichte ist. Ein Vers vorher steht: "Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten". Das ist ein Ausdruck von Gottes wunderbarer Freigebigkeit und Freundlichkeit und der Freiheit, die er dem Menschen gewährt. In diesem Licht ist das Verbot von Vers 17 vielmehr als Warnung und nicht als Drohung zu verstehen. Denn wird korrekterweise so übersetzt: "... wirst du des Todes sterben", und nicht "... musst du des Todes sterben". Der Tod ist die natürliche Konsequenz der Sünde. Warum?

 

Hier hilft uns ein Hinweis aus 1. Mose 3,5 weiter. Die Schlange sagt: "... und werdet sein wie Gott..." Wenn der Mensch Gottes Fürsorge als Schöpfer misstraut und die Kontrolle über sein Wohlbefinden selber in die Hand nehmen will, dann greift er damit sozusagen nach der Mitte des Gartens, also nach der Position des Schöpfers. Er will dann "sein wie Gott". Der Mensch ist aber geschaffen, also ein Geschöpf, und kann nicht als Gott leben. Der einzig wahre Gott, der Schöpfer, ist die Quelle des Lebens, und wenn man von ihm abfällt, dann sollte man logischerweise nicht erwarten, dass man diesen Abfall überleben kann. 

Weiter zu Fehlvorstellung des strafenden Gottes und des Endgerichts.

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